Der Besuch des Prenzlauer Stammbetriebes von aleo solar am 14.02.2012 war schon lange geplant. Aus verschiedenen Gründen wurde er von beiden Seiten mehrere Male verschoben. Ein für mich sehr verständlicher Grund der Terminabsage war beispielsweise im letzten Jahr eine dringende Geschäftsreise zur Kundenakquise seitens des Betriebsleiters Torsten Wiesner.
Im Vergleich zu 2010, dem Boom-Jahr der Solarbranche, ist das Betriebsergebnis 2011 zurückgegangen. Im letzten Herbst konnten die Verträge der 200 über Leiharbeit Beschäftigten aufgrund des eingebrochenen Absatzes nicht verlängert werden. Immerhin wurde die drohende Kurzarbeit der Stammbelegschaft abgewendet.
Bei meinem jetzigen Besuch konnten Torsten Wiesner und der Pressesprecher, Dr. Hermann Iding von gefüllten Auftragsbüchern berichten. Seit Kurzem werden zusätzlich zur Stammbelegschaft von 630 Mitarbeitern wieder 130 Leiharbeiter beschäftigt.
Über die Nachfrage zu den Ursachen der Schwankungen kamen wir schnell zum wichtigsten Anliegen der Unternehmer, zur „Verlässlichkeit der Politik“.
Das Hin und Her im Erneuerbaren Energien Gesetz ist für alle Betriebe, die mit Ihrer Produktion diesem Gesetz unterworfen sind, ein unberechenbarer Gegner. Für mich war es gar nicht mal so überraschend, in den Forderungen der Unternehmer Positionen der LINKEN wiederzufinden. Nach der Rolle rückwärts im Atomausstieg wurden die daraus folgenden notwendigen Gesetzesänderungen in unglaublicher Hast durch das Parlament gejagt. Das war für uns überhaupt nicht nachvollziehbar, weil nicht notwendig. Die so entstandenen Flüchtigkeitsfehler und halbherzigen Entscheidungen machen den Unternehmern der Branche jetzt das Leben schwer.
Auch die falsche, auf die Großstrukturen der Energiekonzerne zugeschnittene deutsche Politik, war ein Diskussionspunkt, an dem sich unsere LINKE Meinung mit den Ausführungen der beiden Unternehmensvertreter trafen. Wir stimmten überein, dass es erstrebenswert sein sollte, die Energie dezentraler zu produzieren und zu verbrauchen. Ein dezentraler und kommunaler Energiemix ist das Modell der Zukunft, das mit einem zentralen Leitungsverbund gekoppelt sein muss. Und trotzdem liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung dezentraler Energieerzeugung und dezentralen Energieverbrauchs. Ein Anliegen, dass sich mit der Unternehmensstrategie von aleo solar unbedingt vereinbaren lässt. Denn aleo solar arbeitet eher mit Investoren von kleinen und mittleren Anlagen zusammen. Dadurch sind Absatzschwankungen kalkulierbarer und nicht gekoppelt an Verträge mit Großinvestoren. Regionale Partner sind beispielsweise Elektro-Gottschalk in Prenzlau und die Sparkasse Uckermark.
Das Unternehmen hat seit 2008 eine Kooperation mit China stetig ausgebaut. Über Joint Ventures ist dort ein Werk entstanden, in dem mit Blick auf den asiatischen und chinesischen Raum Solarmodule hergestellt werden. Nur wäre es wünschenswert, dass die chinesische Politik die Energiewende im eigenen Land mehr forciert.
Im anschließenden Werksrundgang wurden mir neben dem Produktionsablauf auch innerbetriebliche Veränderungen der letzten Jahre vorgestellt. Großes Augenmerk wurde auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen (ergonomische Arbeitsplätze, niedriger Lärmpegel, Arbeitssicherheit) und die Standardisierung des Produktionsablaufes gelegt. Desweiteren sind Materialeinsparungen und Minimierung des Einsatzes von schwerabbaubaren Stoffen ständiges Anliegen. Übrigens ist die Rücknahme von alten Solarmodulen Vertragsinhalt von aleo solar und ihren Partnern.
Die Wünsche an die Politik nach überschaubaren Schritten beim Ausstieg aus der Einspeisevergütung, die den Produzenten die Möglichkeit geben, sich entsprechend darauf einstellen zu können, nehme ich gern mit auf den Weg. Leider ist auch an dieser Stelle der Einfluss von uns LINKEN als Opposition im Bundestag gering, auch weil bewusst weggehört wird, wenn ein LINKER Politiker spricht. Andererseits haben wir ja schon oft ursprünglich LINKE Forderungen – zeitlich verzögert – in den Vorschlägen der Regierungskoalition wiedergefunden.
(Hierzu gibt es auch ein Interview mit Uckermark TV.)